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WENN SICH KREISE SCHLIEßEN

  • Autorenbild: Lisa Wolf
    Lisa Wolf
  • 28. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Jan.

Wir alle sind Teil von einem größeren, kosmischen Rhythmus. Jahreszeiten wechseln, Tage reihen sich aneinander, Monate fügen sich zu einem großen Ganzen. Ein verlässlicher Takt, der sich nach 365 Tagen schließt – nur um erneut zu beginnen. Ein Kreislauf, der trägt und erinnert: Alles ist in Bewegung.


Während sich das Jahr 2025 dem Ende zuneigt, wird mir bewusst, dass meine innere Welt ihren eigenen Kurs hat. Sie folgt keinem Kalender, sondern bewegt sich frei – wandelbar, lebendig und offen für Veränderung. Dabei fühlt sich die Zeit zwischen den Jahren wild an. Der Rückblick bringt leise Melancholie mit sich, aber auch Klarheit. Denn dieses Jahr war geprägt davon loszulassen: von Mustern, Überzeugungen und Identitäten, die einst Halt gegeben haben, sich heute jedoch nicht mehr ganz stimmig anfühlen.


Und trotzdem – oder gerade deshalb – gehe ich weiter. Vielleicht ist genau das die Essenz eines Zyklus: kein abrupter Schnitt, kein Stillstand, sondern ein leises Weitergehen. Wie neu gestellte Weichen. Mit der Entscheidung, dem Neuen Raum zu geben, auch wenn es sich zunächst ungewohnt anfühlt.


Man könnte diesen Prozess Wachstum nennen. Auch wenn er sich nicht immer danach anfühlt, sondern eher wie ein Übergang. Als hätte man eine Haut abgestreift, die längst zu eng geworden ist. Basierend auf einer Bewegung, deren Tiefe, wenn überhaupt, nur jene begreifen können, die sie selbst vollziehen.


Am Ende dieses Jahres geht es mir weder darum, Vorsätze für das neue Jahr zu definieren, noch um große Meilensteine oder bewundernden Applaus – etwas, das oberflächlich betrachtet glänzt, aber in Wahrheit keine Substanz hat. Es geht um Echtheit. Um das behutsame Ent-wickeln der eigenen Wahrheit. Schicht für Schicht. Jahr für Jahr. Wie ein Geschenk, das man sich selbst macht. Und darum, im Kern die Person zu bleiben, die man immer schon war.


Kreativität wird dabei immer Teil meiner Identität sein – unabhängig von äußeren Umständen, als Raum, den ich mir bewusst nehme. Ebenso wie Disziplin, eine achtsame Lebensweise und die Liebe zur Ästhetik. Anker, die mich immer wieder zu mir selbst zurückführen und mir auch in Zeiten des Wandels Beständigkeit schenken.


Vielleicht liegt genau darin der Sinn dieser wiederkehrenden Phase am Jahresende: sich bewusst zu machen, dass nicht alles vorhersehbar oder konstant sein muss. Dass wir uns es erlauben dürfen, auszubrechen, neu abzubiegen, sich auszurichten und Ballast abzuwerfen – so oft es eben nötig ist. Und dabei Selbstreflexion als wertvolle Konstante zu leben: zu prüfen, welche Versionen von uns noch passen und welche wir nur aus Gewohnheit mittragen. Alte Hüllen abzustreifen bedeutet nicht, jemand anderes zu werden. Es bedeutet, sich selbst zu wählen. Als Akt der Selbstfürsorge.


Und ich vertraue darauf, dass das Leben für mich passiert – nicht gegen mich. Die Kunst des Lebens besteht für mich vor allem darin, die Dinge leicht zu nehmen. Immer ein verheißungsvolles Schmunzeln im Gesicht zu tragen, das voller Zuversicht ist. Zu wissen, ich verpasse nichts, was nicht für mich bestimmt ist. Denn Vertrauen in die eigenen Lebensphasen macht vieles leichter. Und es ist sogar wissenschaftlich belegt: Wenn man sich auf das Gute konzentriert, verdrahtet sich das Gehirn neu, um mehr Gutes zu suchen. Das ist die Magie der Neuroplastizität.¹


So wird mir gerade mitten im tiefsten Winter bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.²

Und vielleicht ist genau das die leise Einladung des Jahreswechsels: Inmitten der weitestgehend vorhersehbaren kosmischen Zyklen die eigenen bewusst zu unterbrechen – innezuhalten und neu zu wählen, was wir mitnehmen möchten und was wir mit gutem Gefühl zurücklassen dürfen.


Ich freue mich auf alles, was kommt.


 
 
 

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