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Ein Tag am Walchensee: Sich einfach mal treiben lassen

Autorenbild: Lisa Wolf
Lisa Wolf
22. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Aug.

Walchensee mit Blick auf die Insel

„Wo geht’s hin?“ Eine Frage, die früher oder später beinahe jedes Urlaubsgespräch erreicht. Und auch ich ertappe mich immer wieder dabei, sie zu stellen. Eigentlich völlig harmlos. Eine ganz gewöhnliche Frage, mit der wir Interesse zeigen möchten. Und trotzdem schwingt für mich darin manchmal etwas anderes mit: eine gewisse Erwartung daran, wie Urlaub auszusehen hat. Geprägt von dem, was wir gewohnt sind, was wir als besonders empfinden und vielleicht auch von dem, was gesellschaftlich als erstrebenswert gilt. Fast so, als gäbe es eine unausgesprochene Regel darüber, wie wir unsere freie Zeit verbringen sollten.


Natürlich liebe ich es, neue Orte zu entdecken, aus gewohnten Routinen auszubrechen und für eine Weile den Alltag hinter mir zu lassen. Nur muss ich dafür nicht zwingend ans andere Ende der Welt reisen. Nicht zwingend dorthin, wo ein anerkennendes „Wow“ garantiert folgen wird. Nicht in ein möglichst exotisches Land, in das möglichst viel Geld, Planung und Aufwand geflossen sind.


Natürlich spricht nichts dagegen, sich genau solche Wünsche zu erfüllen. Wenn der Traum darin besteht, nach Übersee zu reisen, fremde Kulturen kennenzulernen und möglichst weit weg von zu Hause zu sein – warum nicht? Die entscheidende Frage ist vielmehr: Ist es wirklich das, was uns glücklich macht? Oder gefällt uns vor allem die Vorstellung davon, wie andere darauf reagieren werden und behaupten zu können, dort gewesen zu sein?


Ich denke es geht manchmal weniger um die Reise selbst als um das Bild, das wir mit ihr erzeugen. Um die Vorstellung eines Lebens, das auf Fotos beeindruckend aussieht und nach Abenteuer, Erfolg und Freiheit ruft. Ein Urlaub, der nicht ausschließlich uns selbst gefällt, sondern möglichst auch den Beifall der anderen verdient.


Mein Freund und ich haben uns in diesem Jahr entschieden, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Zeit mit der Familie zu verbringen. Nicht jeden freien Tag mit einem Plan zu füllen. Nicht ständig dem nächsten Ziel hinterherzujagen, sondern einfach spontan zu entscheiden, wonach uns gerade ist.


Und rückblickend war es genau das, wonach wir uns am meisten gesehnt hatten.


Mitte der zweiten Urlaubswoche entschlossen wir uns, zum Walchensee zu fahren. Schnell das Kajak ins Auto verladen, etwas Proviant und Badesachen dazu – mehr brauchten wir dafür nicht. Nach rund vier Stunden Autofahrt, dem Aufbau des Kajaks und einer ersten Schicht Sonnencreme glitten wir auch schon über die funkelnde Wasseroberfläche.


Und plötzlich war da dieses endlose Türkis. So klar und intensiv, dass wir selbst kurz innehalten mussten. Umgeben von Bergen, unter uns das Wasser, vor uns nichts weiter als ein Nachmittag, der uns völlig offenstand. Wir paddelten los, hielten dort an, wo es uns gefiel, machten Pausen, gingen schwimmen und verweilten, um dem Wellengang zu lauschen oder die Aussicht zu genießen.


Und vielleicht liegt genau darin ein Teil dessen, was Glück manchmal ausmacht: nicht ständig zu wissen, was als Nächstes kommt. Nicht das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen. Sondern für einen Moment so sehr im Hier und Jetzt zu sein, dass der Gedanke an das Danach überhaupt keine Rolle spielt.


Diese Art von Freiheit hat für mich wenig mit der Entfernung zu tun, die man zurücklegt. Sie entsteht nicht zwingend an einem Ort, von dem jeder schonmal etwas gehört hat. Manchmal liegt sie im eigenen Land – an einem karibisch anmutenden See und einem Nachmittag, an dem alles möglich scheint. Vielleicht sollten wir deshalb beim nächsten Mal die Frage etwas umformulieren.


Von einem: „Wo geht’s hin?“

Zu einem: „Wonach ist dir diesen Urlaub?“


Eine Frage, die weniger ein geographisches Reiseziel voraussetzt und sich viel mehr danach ausrichtet, was wir eigentlich suchen. Ruhe? Abenteuer? Etwas Neues? Zeit mit Menschen, die uns wichtig sind? Oder auch Zeit am Wasser zu verbringen, das zwar (zugegeben) optisch beeindruckt, aber gleichzeitig ohne großen Aufwand zu erreichen ist und vergleichsweise nicht weit entfernt liegt?


Denn vielleicht ist der schönste Urlaub nicht immer der, von dem wir am meisten erzählen können oder der am aufwendigsten geplant wurde. Sondern der, bei dem wir nicht glücklicher darüber sein könnten, uns einfach mal treiben gelassen gehabt zu haben.


Paddelroute am Walchensee
Unsere Route: In Niedernach gestartet, einmal um die Insel und zurück
Im Walchensee schwimmen


 
 
 

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